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11 Fragen + Antworten
zur neuen Zählweise: Von www.tischtennis.de – Homepage des DTTB !
FAQ’s: Warum nur noch bis … ? – 11 Fragen, 11 Antworten

1. Die 11 löst die 21 ab: Weshalb wurde in Osaka eine neue Zählweise beschlossen?
Tatsache ist, dass Tischtennis als sogenannte Randsportart ein Schattendasein führt. Unser Sport wird in der Öffentlichkeit mehr als organisiertes Freizeitvergnügen denn als ernstzunehmender (Hoch-)Leistungssport wahrgenommen. Hand aufs Herz: Wer von uns ist nicht schon einmal mitleidig belächelt worden, wenn er im Freundeskreis erzählt hat: Mein Sport ist Tischtennis. Das negative oder gar fehlende Image betrifft nicht nur wenige Profis, denen die Fernseheinnahmen fehlen, sondern uns alle: So haben wir zum Beispiel in den Vereinen auch deshalb Nachwuchssorgen, weil es vielen Kindern und Jugendlichen einfach nicht attraktiv genug erscheint, Tischtennis zu erlernen. Man kann seine Vorbilder nicht im Fernsehen bewundern – wenn man sie überhaupt kennt. Als Fußballer hingegen ist man sich der Bewunderung seiner Klassenkameraden sicher.
Die Entscheidung für eine neue Zählweise ist Teil eines Reformpaketes des Weltverbandes ITTF, den Präsident Adham Sharara als Drei-Punkte-Plan bezeichnet: Den Auftakt machte nach den Olympischen Spielen die Einführung des 40-Millimeter-Balles, der das Spiel etwas verlangsamt. Im zweiten Schritt erfolgt nun die Änderung der Zählweise, die mehr Spannungsmomente schafft, und in der Saison 2002/2003 soll dann die ebenfalls in Osaka beschlossene neue Aufschlagregel mehr Transparenz für Rückschläger und Zuschauer schaffen. Ziel des Reformpaketes ist eine Attraktivitätssteigerung unseres Sports und damit verbunden eine weltweite Popularitätssteigerung und Imageverbesserung über eine verbesserte und häufigere Darstellung in den Medien. Shararas Reformen sind kein Allheilmittel, aber ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

2. Tischtennis geht bis 21! Millionen Menschen auf der ganzen Welt verknüpfen diese Zahl auf das Engste mit unserem Sport. Warum haben eine Handvoll Funktionäre des DTTB diesem Bruch mit der Tradition zugestimmt?
Zunächst einmal: Die Regeländerung wurde in Osaka von den Verbänden mit 104:7 Stimmen so eindeutig wie kaum eine wichtige Regeländerung zuvor beschlossen, d.h. fast die gesamte „Tischtennis-Welt“ sieht diese Veränderung als eine Notwendigkeit an! Als Spitzenverband ist der DTTB nicht nur gehalten, Traditionen zu bewahren; wir sind auch verpflichtet, die Weichen für die Zukunft unserer Sportart zu stellen. Wir sind überzeugt davon, dass sich Tischtennis mit den kürzeren Sätzen nach einer gewissen Umstellungszeit insgesamt in die richtige Richtung bewegt. Die neue Zählweise trägt auch einem Wandel in unserer Gesellschaft Rechnung: Sie wird von den nachrückenden Generationen als modern und zeitgemäß angenommen werden, sie wird interessante taktische Varianten kreieren und sie wird langfristig helfen, das zu Unrecht hausbackene Image unseres Tischtennissports zu korrigieren und neu zu positionieren: Als dynamische und moderne Sportart, die wie kaum eine zweite die Komponenten Athletik, Dramatik, Geschwindigkeit und Spielintelligenz vereint. Die Entscheidung pro kürzere Sätze ist ein Votum für die Zukunft des Tischtennissports.

3. Weshalb wurde die Basis nicht informiert oder gar befragt?
Wer den Beschluss als Hals- über Kopf-Entscheidung kritisiert, der hat die Diskussionen in der Vergangenheit nicht aufmerksam genug verfolgt. Seit vielen Jahren wird öffentlich darüber diskutiert, wie wir unseren Sport attraktiver gestalten können. Seit Anfang der 90-er Jahre sind dabei auch die kürzeren Sätze immer wieder ein Thema, und dies nicht nur hinter verschlossener Tür der Funktionäre. Einige Beispiele: Im September 1992 wurde der European Masters Cup in Karlsruhe als Versuch mit Sätzen ab 5:5 gespielt, anschließend die Spieler und Zuschauer befragt und die Basis über das Verbandsorgan „deutscher tischtennis-sport“ (dts) aufgerufen, ihre Meinung zu kürzeren Sätzen mitzuteilen. Im Oktober 1997 ist in einem großen dts-Interview mit dem DTTB-Vizepräsidenten Eberhard Schöler die Einrichtung der Arbeitsgruppe der ITTF und die Meinung des DTTB nachzulesen und fünf Monate später haben in der gleichen Zeitschrift Prominente aus Sport und Industrie verschiedene Modelle für eine neue Zählweise vorgestellt und diskutiert. Im Herbst 2000 wurden die French und die Finnish Open mit Sätzen bis 11 ausgetragen und in der März-Ausgabe des dts wurden die Anträge für die Regeländerungen vorgestellt und von Jörg Roßkopf kommentiert. Alles war stets transparent und schon gar nicht unbekannt. Kritik von der Basis an einer möglichen Regeländerung ist trotz der öffentlichen Diskussion und dem Aufruf zum Meinungsaustausch, wie nach dem Turnier in Karlsruhe, in diesem Zeitraum übrigens keine laut geworden.

4. Dient die neue Regel nicht nur einer verschwindend kleinen Gruppe von Spitzenathleten und der Tischtennis-Industrie?
Nein! Das angestrebte bessere Image und die weltweit höhere Medienpräsenz dienen der gesamten Sportart. Werden mittel- oder langfristig diese Ziele erreicht, profitieren alle von der Spitze bis zur Basis davon. Die Attraktivität und das Ansehen unserer Sportart steigt, Sponsoren werden interessierter, die Mitgliederzahlen stabilisieren sich durch die erhöhte Zuwachsrate an Kindern und Jugendlichen oder steigen sogar. Die Tischtennis-Industrie verdient übrigens an der Regeländerung nicht; sie bleibt eher noch zu nicht unerheblichen Beständen auf alten Zählgeräten und Spielblöcken sitzen.

5. Wie können alte Zählgeräte und Spielblöcke weiterhin genutzt werden?
Alte Zählgeräte können weiter benutzt werden. Sie müssen nur bei der Anzahl der Sätze unwesentlich aufgerüstet werden. Das kann ebenso leicht von eigener Hand vorgenommen werden wie die Umgestaltung der Spielblöcke. Bei diesen könnten z.B. zusätzliche Linien per Hand auf dem Spielberichtsbogen gezogen werden. Denkbar wäre auch, anstelle eines kompletten Spielergebnisses von beispielsweise 11:9, 9:11, 12:10, 8:11, 12:14 die verkürzte Schreibweise von 9,-9,10,-8,-12 anzuwenden, um damit Raum zu gewinnen. Nicht praktikabel erscheint es hingegen, Satzergebnisse erst gar nicht zu notieren, denn im Einzelfall könnte am Saisonende das Satz- oder Ballverhältnis den Ausschlag über eine Platzierung geben. Dauer und Regularien für die Übergangszeit müssen jedoch noch festgelegt werden.

6. Warum wird die neue Zählweise so schnell eingeführt, praktisch über Nacht?
Für diese neue Regel ist keine technische Umstellung erforderlich, so dass sie wesentlich einfacher und schneller als die Umstellungen auf den 40-Millimeter-Ball und die neue Aufschlagregel in den Spielablauf integriert werden kann.

7. Warum erfolgt die Einführung der neuen Regel nicht nur für den Bereich des Spitzensports?
Eine Trennung würde nur die Uneinheitlichkeit des Spiels fördern, es würden praktisch zwei verschiedene Sportarten entstehen, bei denen Probleme an den Schnittstellen – bei Auf- und Abstiegen sowie bei Ersatzgestellung – unvermeidbar wären. Für Außenstehende wäre all dies zudem nicht nachvollziehbar, und es wäre deshalb absolut kontraproduktiv für die Entwicklung des Tischtennisports. Wir müssen im Gegenteil noch weitere Vereinheitlichung in vielen Bereichen anstreben, beispielsweise innerhalb der Mannschaftsspielsysteme. In keiner Sportart gibt es derart viele unterschiedliche Systeme wie bei uns.

8. Werden die Spiele künftig länger oder kürzer?
Wissenschaftliche Untersuchungen – unter anderem an der Technischen Hochschule Aachen – zeigen, dass die Spiele zwar kürzer werden, bei nahezu gleich starken Konkurrenten jedoch nur in geringfügigem Ausmaß. Es ist also nicht zu befürchten, dass Spieler künftig bei Mannschaftskämpfen erheblich weniger spielen als bisher. Turniertests, wie zuletzt im Herbst 2000 bei den French und bei den Finnish Open, haben gezeigt, dass Spiele kaum noch „zu null“ enden. Auch hier ist für einen höheren Spannungsmoment bei etwas kürzerer Gesamtdauer gesorgt.

9. Wird Tischtennis seinen Charakter verlieren, weil es nun keine richtige Spielentwicklung innerhalb eines Satzes mehr geben wird?
Der Charakter wird in gar keinem Fall verloren gehen, allenfalls die Spieldramaturgie könnte sich ändern. Die Spielentwicklung wird nun nicht mehr nur innerhalb eines Satzes stattfinden, sondern sich über Sätze hinweg gestalten. Sie gestaltet sich sogar zum Vorteil, beispielsweise in einem Mannschaftsspiel: Wer früher in einem Satz sehr schnell sehr hoch in Rückstand geriet, dessen Gegner hatte bei Satzgewinn direkt 50 Prozent der notwendigen Punkte zum Sieg für sich verbucht; jetzt ist es nur noch ein Drittel. Natürlich wird die neue Regel auch Änderungen im taktischen Bereich mit sich bringen, aber nur weil das neu ist, muss es ja nicht schlecht sein. Im Gegenteil: Man kann dies ja auch als Reiz, als Herausforderung für das eigene Spiel betrachten.

10. Wenn alle zwei Punkte Aufschlagwechsel ist, kann ich mich als Rückschläger nicht mehr auf das Service meines Gegners einstellen. Wird sich zudem durch die häufigeren Stress-Situationen und die erhöhte Bedeutung jeden einzelnen Punktes die Qualität der Spiele nicht verschlechtern?
Die Erfahrung bei den Test-Turnieren weist genau das Gegenteil aus: Die Qualität der Spiele war besser. Außerdem: Da jetzt mehr Sätze gespielt werden, bleibt künftig noch fast genauso viel Zeit für einen kontrollierten Spielaufbau wie bisher, auch für das „Lesen“ des gegnerischen Aufschlags. Aber es entstehen fraglos mehr Entscheidungs- und Spannungsmomente – für den Zuschauer wie natürlich auch für den Spieler.

11. Werden durch die kurzen Sätze und das Reformpaket der ITTF viele Spieler dem Tischtennissport den Rücken kehren?
Wer mit Freude und Begeisterung Tischtennis spielt und mit seinem Herzen bei der Sache ist, der wird unserem Sport erhalten bleiben. Denn Tischtennis verliert durch die Änderungen weder seinen Charakter noch wird es unattraktiver – im Gegenteil. Wir werden jedoch damit leben müssen, dass der eine oder andere sich vielleicht mit der Umstellung schwer tun mag. Aber wir werden auch durch die Neuerungen und die Steigerung der Attraktivität mehr Nachwuchs und neue Freunde für unsere Sportart gewinnen. Wir wünschen uns jedoch, dass auch die heutigen Kritiker zumindest eine ganze Weile versuchen, die Änderungen als Herausforderung und neuen Reiz anzunehmen.

Hamburger Abendblatt vom 13.6.2001

Verbandsmitteilungen 8.März 2000

Wandsbeker Wochenblatt 21.KW

Letzte Änderung: 17.Juni 01 OK
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